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Interview mit Ulrich Wegenast


über das ITFS 2017

Jede 2 Jahre findet das „Internationale Trickfilmfestival Stuttgart“ aka „ITFS“ in Stuttgart statt. Hier wird Kunst und Förderung junger Talente in den Fokus gestellt: Wer von den Wettbewerbern ein kreatives Meisterwerk abliefert, wird mit Preisgeldern bis zu 70.000 Euro belohnt. Ich habe mich für dieses Event mit Ulrich Wegenast unterhalten, um einen direkten Einblick in die Organisation zu bekommen.

Bericht

Ulrich, stell Dich doch bitte kurz mal dem Leser vor und beschreibe ein bisschen Deine Arbeit und was genau das „ITFS“ ist!

Mein Name ist Ulrich Wegenast. Ich bin seit 2012 künstlerischer Geschäftsführer der Film- und Medienfestival GmbH, die das Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart organisiert, und Honorarprofessor an der Filmuniversität Babelsberg.

Das Trickfilmfestival hat jetzt schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Für die Unwissenden: Wie kam es dazu, das Festival zu organisieren & warum genau in Stuttgart?

 

Das ITFS wurde 1982 gegründet und fand bis 2004 im zweijährigen Turnus statt. Ausgangspunkt war die Trickfilmklasse von Prof. Albrecht Ade an der Kunstakademie Stuttgart und der Wunsch, die dort produzierten Filme einem größeren Publikum zu zeigen und sich mit der internationalen Animationsszene zu vernetzen.

Vom 2. Mai bis zum 7. Mai findet das 24. ITFS statt. Gibt es dieses Jahr eine inhaltliche & ästhetische Richtung, Thema oder Motiv?

 

Unser diesjähriges Motto lautet „Animation without Borders – grenzenlose Animation“, weil Animation nicht nur eine globale Bildsprache ist, sondern auch Themen über kulturelle und gesellschaftliche Grenzen hinaus präsentiert und lustvoll diskutiert. Gleichzeitig ist Animation auch ein formatübergreifendes Medium, das sich nicht nur auf Kino und TV beschränkt, sondern in Games, Online und sogar im öffentlichen Außenraum stattfindet.

Du bist direkt an der Quelle der Kunst. Die Meisten verbinden mit Zeichentrick sicher noch traditionelle 2D-Animation. Trotzdem gibt es immer neue Strömungen im Bereich der Szene. Welchen Wandel hast Du über die Jahrzehnte wahrgenommen, in Bezug auf Technologie und Inhalte der Filme?

 

Technologien kommen und gehen. Dabei ist es wichtig, dass die Stories den Medien und Technologien entsprechend erzählt werden. Eine animierte Geschichte muss in einem Virtual Reality-Umfeld ganz anders erzählt werden als in einem klassischen Spielfilm, der auf Schnitt und Montage basiert. Beim Animationsfilm gibt es immer eine große Lust am Ausprobieren neuer Stile und Animationstechniken und heute verbinden sich digitale Technologien mit analoger Handarbeit. Wenn die Geschichte nicht stimmt, nützen aber die besten Technologien und die neuesten Innovationen nichts.

Gibt es für Dich einen Film der letzten 24 Jahre, der Dir beim Festival besonders gut gefallen hat und wenn ja – warum genau dieser Film?

Da gibt es zum Glück ganz viele Filme, die mich begeistert und geprägt haben. Wunderbare Langfilme wie den Oscarnominierten „Song of the Sea“ aus Irland aus dem Jahr 2014 oder „Mary & Max“ (2009) des australischen Regisseurs Adam Elliot. Dieses Jahr gefällt mir persönlich der chinesische Film „Big Fish & Begonia“ besonders gut, der an die frühen Filme des berühmten Ghibli Studios aus Japan erinnert. Besonderen Eindruck hat bei mir jedoch der italienische Kurzfilm „Muto“ des anonymen Künstlers Blu hinterlassen, ausschließlich im Außenraum auf großen Wänden und Mauern animiert wurde und eine Art von Trickfilm-Graffiti ist: Kein klassischer Erzählfilm, aber eine wunderbare künstlerische Arbeit, die zeigt wie viel mit dem Medium Animation möglich ist… Auf Youtube wurde der Film immerhin schon 11 Millionen mal angeschaut.

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